Interkulturelles Management

Interkulturelles Management bezeichnet die produktive Nutzung kultureller Heterogenität, die es zum Ziel hat, die verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften, Werthaltungen und kulturellen Prägungen von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Kulturkreisen gezielt einzusetzen.

dreamstime_xs_31871367Grundsätzlich sind mit dem Führungshandeln in interkulturellem Kontext zusätzliche Anforderungen an die Führungskräfte verbunden. Eine Übertragung von im monokulturellen Handlungsgefüge bewährten Führungsprinzipien und Verhaltensweisen ist daher meist nicht erfolgreich. Als wesentlicher Erfolgsfaktor beim interkulturellen Management gilt eine ausgeprägte interkulturelle Kompetenz. Diese umfasst den Respekt gegenüber den verschiedenen Kulturen, die Fähigkeit, die kulturellen Stärken einzelner Mitarbeiter nutzbar zu machen, und gute Kommunikationskompetenzen. Das Personalmanagement hat dem Rechnung zu tragen, indem es interkulturelle Führungsanforderungen definiert, das Potenzial der Führungskräfte mit Hilfe gezielter Maßnahmen weiterentwickelt und Instrumente für die systematische Erfassung interkultureller Führungsfähigkeit bereitstellt.

Das interkulturelle Management beschäftigt sich mit der konkreten Gestaltung funktionaler, strukturaler und personaler Managementprozesse in verschiedenen Ländern und Kulturkreisen. Ziel ist eine erfolgreiche Lösung kulturbedingter Managementprobleme anhand entsprechender Lösungsvorschläge für effektives interkulturelles Handeln. Hierbei sind mindestens zwei differente Standpunkte bekannt. Nach Ansicht der „Universalisten“ haben Managementprinzipien, von kulturellen Kontextbedingungen unabhängig, allgemeine Gültigkeit und Wirksamkeit. Die Kulturrelativisten gehen hingegen von der Annahme aus, dass die unterschiedlichen kulturellen Ausgangsbedingungen auch unterschiedliche Anforderungen an das Personalmanagement stellen. Sowohl Führungstheorien als auch die Führungspraxis sind nach dieser Ansicht kulturgebunden und damit nicht problemlos zwischen den Kulturen übertragbar.

Oftmals resultieren interkulturelle Probleme aus der impliziten Ähnlichkeitsannahme gegenüber ausländischen Mitarbeitern oder aus dem fehlenden Verständnis und Einfühlungsvermögen für deren jeweilige Landeskultur. Daher muss das interkulturelle Management Kulturunterschiede, beispielsweise beim Personalmanagement berücksichtigen. Unter anderem ist auch die Effektivität eines partizipativen bzw. autoritären Führungsstils kulturabhängig. Je geringer eine subjektiv empfundene Diskrepanz zwischen dem organisatorischen Partizipationsangebot und den Partizipationserwartungen der Mitarbeiter ist, desto mehr identifizieren sich diese mit ihrer Organisation und deren Zielen und umso ausgeprägter sind der Leistungswille und die Motivation. Die Partizipationserwartungen hängen dabei nicht zuletzt von der jeweiligen Haltung zur Machtdistanz ab. Daraus resultiert außerdem die Frage nach dem bestmöglichen Grad der Zentralisation.

Außer den in den verschiedenen Ländern gegebenen Umfeldbedingungen spielt auch der strategische Standpunkt des Unternehmens eine Rolle. In Hinblick auf das EPRG-Konzept wird deutlich, dass die strategische Grundeinstellung eines Unternehmens relevant für die Frage ist, ob das Management interkulturell einheitlich oder interkulturell angepasst durchgeführt wird. Neuere Herangehensweisen setzen voraus, dass kulturbedingte Unterschiede zukünftig von geringerer Bedeutung sein werden. Die „ökonomischen Relativisten“ erwarten, dass die zunehmende Modernisierung der Gesellschaft sowie die verstärkte Industrialisierung zwangsläufig zu einer Konvergenz kulturverschiedener Führungsprinzipien führen wird.

Eine Stütze für das interkulturelle Management bieten die interkulturelle Managementforschung (kulturvergleichende Managementforschung) sowie generelle Studien zur Kultur, die ein tiefergehendes Verständnis für kulturelle Phänomene und Dimensionen wie auch deren Hintergrundfaktoren schaffen.

Die kulturvergleichende Managementforschung gibt Hilfestellungen zu dem sich aus Managementsicht ergebenden Problem, wie sich eine einheitliche Führung eines zugleich in mehreren Ländern und somit auch in mehreren Kulturen oder Kulturkreisen arbeitenden Unternehmens erfolgreich realisieren lässt. Im Zentrum dieses Wissenschaftszweigs steht das Entwickeln von Theorien und Methoden, die sich auf den Einfluss kultureller Rahmenbedingungen auf die Managementprozesse beziehen. Die vergleichende Landeskulturforschung zeigt als Komponente der kulturvergleichenden Managementforschung kulturspezifische Gemeinsamkeiten und Unterschiede anhand bestimmter Untersuchungsmethoden auf, z. B. Risikofreudigkeit.

Ein zentrales Element des interkulturellen Managements ist die Suche nach eindeutigen Aussagen über den Transfer der Unternehmenskultur und der sich darin widerspiegelnden Landeskultur zwischen der Muttergesellschaft und den Tochterunternehmen. Hierfür bieten sich grundsätzlich drei verschiedene Alternativen an:

  • Monokulturelle Strategie: Es erfolgt eine Übertragung der Unternehmenskultur der Heimatbasis auf die Auslandsniederlassung. Die eigene Unternehmenskultur wird gegenüber der ausländischen als dominant angesehen. Durch entsprechende Managementaktivitäten entsteht in den ausländischen Niederlassungen eine Unternehmenskultur, die jener der Muttergesellschaft identisch ist.
  • Multikulturelle Strategie: In den Tochtergesellschaften entwickelt sich eine eigene Unternehmenskultur, die der dortigen Landeskultur angepasst wird. Bei diesem Ansatz können die Tochtergesellschaften eine völlig andere Unternehmenskultur aufweisen als die Muttergesellschaft.
  • Mischkulturstrategie: Zwischen der Muttergesellschaft und den Tochtergesellschaften findet eine Kulturvermischung statt. Hieraus resultiert eine einheitliche Unternehmenskultur. Im Gegensatz zur reinen Monokultur, bei der es einen Kulturexport von der Muttergesellschaft zu den Tochterunternehmen gibt, erfolgt hierbei eine Kultursynthese.

Wenn Sie diese Seite weiterhin nutzen, stimmen Sie dadurch der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Erlauben" gestellt, um Ihnen die bestmögliche Browsing-Erfahrung zu ermöglichen. Wesn Sie diese Seite weiterhin nutzen ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu verändern oder wenn Sie auf "Akzeptieren" klicken, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Schließen