Historie (Theorie)

Personalmanagement als Fachwissenschaft an Hochschulen

Die ersten Handelshochschulen wurden im Jahr 1898 in Leipzig und Aachen in der Absicht gegründet, den Nachwuchs für Kaufmannsberufe bestmöglich zu qualifizieren. Die Curricula der elf bis 1919 errichteten Handelshochschulen enthielten jedoch kaum Lehrinhalte, die als direkter Beitrag zur Professionalisierung von Fach- und Führungskräften für das betriebliche Personalwesen angesehen werden können. Erst nach Ende des Ersten Weltkrieges traten bei an den Handelshochschulen, an acht technischen Hochschulen und an 19 Universitäten angebotenen BWL-Professuren Lehrinhalte in Erscheinung, die in Bezug zu betrieblicher Personalarbeit standen.

dreamstime_xs_18016078Die Akademisierung spielte erst seit dem Zweiten Weltkrieg eine wirkliche Rolle bei der Professionalisierung der für die betriebliche Personalarbeit zuständigen Aufgabenträger. Dies war nur möglich, weil sich die Hochschulen des deutschsprachigen Raums innerhalb der letzten Jahrzehnte in Forschung und Lehre zunehmend dem betrieblichen Personalwesen zuwandten. Ab den 1950er Jahren haben sich mehrere Hochschuldisziplinen der Inhalte und Probleme des Personalwesens angenommen und diese in ihre Forschungs- und Lehrprogramme einbezogen. Hierzu zählten Teilaspekte betrieblicher Personalarbeit wie Arbeits- und Sozialrecht, Betriebs- und Wirtschaftssoziologie, Arbeits- und Organisationspsychologie, Arbeits- und Betriebspädagogik, Arbeitswissenschaft, Arbeitsmedizin, Betriebs- und Wirtschaftsinformatik und vor allem die Betriebswirtschaftslehre mit einem immer umfassenderen Verständnis personalrelevanter betrieblicher Funktionen.

Als „Geburtsjahr der Teildisziplin“ wird das Jahr 1961 angesehen, in dem der Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. seiner an der Wirtschaftshochschule Mannheim stattgefundenen wissenschaftlichen Jahrestagung das Rahmenthema „Arbeit und Lohn als Forschungsobjekt der Betriebswirtschaftslehre“ gab. Im selben Jahr richtete diese Hochschule als erste im deutschsprachigen Raum einen Lehrstuhl für „Personalwesen und Arbeitswissenschaft“ ein. Die Zahl der BWL-Professuren mit Schwerpunkt Personalwesen blieb indes in den 1960er Jahren zunächst verhältnismäßig gering. Der Ausbau der BWL brachte dem Personalfach jedoch einen Aufschwung, sodass es dem Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft 1973 möglich war, eine wissenschaftliche Kommission „Personalwesen“ einzusetzen.

Von 1977 bis 2001 nahm die Zahl der BWL-Professuren im Fach „Personalwesen“ weitgehend kontinuierlich von 22 auf 63 zu. Im Jahr 1977 waren das 5,3 Prozent und im Jahr 2001 bereits 7,3 Prozent aller BWL-Professuren an den wissenschaftlichen Hochschulen des deutschen Sprachraums. Darüber hinaus gab es zahlreiche BWL-Professuren für Personalwesen an Fachhochschulen und Berufsakademien, die bislang jedoch in keiner Statistik aufgeführt werden. Allein am ältesten Lehrstuhl für Personalwesen an der Universität Mannheim legten zwischen 1972 und 1996 circa 2300 Kandidaten ihre Diplomprüfung im Fach „Personalwesen“ ab. Im gleichen Zeitraum schrieben 815 Diplomanden an diesem Lehrstuhl Diplomarbeiten, die sich hauptsächlich auf Themen aus dem Personalwesen bezogen.

Mit der funktionalen und organisatorischen Differenzierung des Personalwesens mittlerer und großer Unternehmen entwickelten sich auch die entsprechenden Lehrprogramme an den Hochschulen. Schon in den 1970ern hielten personalwissenschaftlich relevante Lerninhalte Einzug in das Grundstudium der BWL sowie in das Fach „Allgemeine BWL“ im Hauptstudium. Damit wurden sie zum prüfungsrelevanten Lehrstoff für sämtliche Studenten und Studentinnen dieses Fachs. Je nach Hochschule kann der Schwerpunkt dieser betriebswirtschaftlichen Teildisziplin variieren. Die meisten Hochschulen bieten folgende Schwerpunktgebiete an:

  • Personalplanung
  • Personalpolitik
  • Personaleinsatz
  • Personalbeschaffung
  • Personalentwicklung
  • Entlohnung
  • Mitarbeiterführung
  • Personalverwaltung
  • Betriebliche Sozialpolitik

Folgende Lehrinhalte kamen seit den 1980er Jahren hinzu:

  • Strategisches Personalmanagement
  • Personalforschung
  • Personalcontrolling
  • Internationales bzw. Interkulturelles Personalmanagement

Die Grundstruktur der Curricula für das Fach „Personalwesen“ hat sich in den letzten Jahrzehnten unter Einwirkung der BWL-Rahmenprüfungsordnung zwischen den einzelnen Hochschulen immer mehr angeglichen. Themen der personalrelevanten Forschung blieben hingegen zum Teil weitgehend lehrstuhlspezifisch.

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